Manche Stimmungen sind Routine – und manche werden zur echten Prüfung. Der 16. Juli 2026 gehörte klar zur zweiten Sorte: einen Flügel bei Hitze zu stimmen, auf einer Open-Air-Bühne, am Ende bei 36 Grad im Schatten.
Der Auftrag: ein Kawai RX-5 für die Abendbühne
Im Rahmen der Landesgartenschau (LAGA) in Neuss sollte ich einen Kawai RX-5 stimmen – einen Kammerflügel. Angeliefert wurde er um 10 Uhr von Piano List, dem größten Anbieter von Leihflügeln für Events am Niederrhein und in Köln, für den ich unter anderem als Konzertstimmer arbeite. Ziel: Der Flügel sollte am Abend auf der Open-Air-Bühne der Sparkasse bereitstehen, wo eine Jugend-Jazzband spielte.
Erste Stimmung bei 27 Grad

Als ich um 10:30 Uhr anfing, waren es rund 27 Grad im Schatten. Max – Maximilian List – hatte mich vorgewarnt: Der Flügel war in der Zeit davor viel bei großer Wärme unterwegs gewesen. Das war deutlich zu hören. Vom Stimmbild war kaum noch etwas übrig; ab dem Übergang, der Kreuzung, musste ich praktisch alles neu teilen.
Der Härtetest: 36 Grad und 30 Minuten

Der eigentliche Hammer kam am Abend. Nach der Probe der Band um 18 Uhr stand noch eine Kontrolle an – inzwischen bei 36 Grad im Schatten. Die Mitte, etwa von g1 bis g3, war wieder völlig aus der Form. So etwas in knapp 30 Minuten zurück in die Spur zu bringen, dafür braucht es wirklich Erfahrung und ein paar souveräne Handgriffe aus der Praxis.
Warum Hitze einen Flügel so fordert

Ein Flügel ist ein lebendiges Instrument aus Holz, Filz und über 200 gespannten Saiten. Große Wärme – und noch mehr starke Temperaturschwankungen – lässt dieses Zusammenspiel arbeiten: Die Stimmung wandert, oft genau dort, wo man es am wenigsten gebrauchen kann. Bei einem Event zählt deshalb nicht nur sauberes Stimmen, sondern die Fähigkeit, unter Zeitdruck schnell und sicher nachzuregeln.
Und das Ergebnis?
Zum Schluss habe ich mir noch ein paar Stücke der Band angehört – und alles saß. Genau dafür macht man den Job.